Herr Wohnig Kunststoff ist ein enorm vielseitiges 01 Material Warum ist das Recycling so schwierig Jede Anwendung verlangt andere Eigenschaften deshalb ist Recycling verfahrenstechnisch nicht ganz einfach Dazu kommt dass der Kunststoffmüll der zwar bei uns in Deutschland vor bildlich gesammelt wird immer stärker verschmutzt ist Das stellt die Recycler vor Probleme Beim Kunststoffrecycling reden wir heute ohnehin nur von rein mechanischen Sortierverfahren bisher jedenfalls Nun soll die Recyclingquote in Deutschland weiter 02 steigen von heute 36 auf 63 im Jahr 2022 Droht ein Wettkampf um den Müll Eher ein Wettkampf um Know how Genaugenommen ist der Begriff Kunststoff Recycling falsch Denn von einer Kreislauf wirtschaft wie bei Glas und Papier sind wir noch weit entfernt es ist eher ein Downcycling Was wir dringend brauchen sind innovative Verfahren um mehr Kunststoffabfälle recyceln zu können Und zwar so gut dass das Erzeugnis auch für an spruchsvolle Anwendungen verwendbar ist Mit Rezyklat wie Sie es heute von den Kunststoff Recyclern bekommen können Sie einen Blumentopf oder einen Mörteleimer herstellen aber keine Lebensmittelverpackung Hier setzt die APK an mit ihrem Newcycling Verfahren Was unterscheidet die APK Technologie von kon 03 ventionellem Recycling Wir können den Wertstoff so aufbereiten dass er wieder als Rohstoff für eine höherwertige Anwendung geeignet ist In großen Mengen und in hoher Reinheit Gerade auch bei kleinformatigen und Multilayer Verpackungen die ja aus unter schiedlichen Kunststoffen bestehen Pro Jahr kommen ungefähr 250 000 Tonnen solcher Verpackungen mit Polyethylen z B LDPE in Umlauf ein Standard Recycler kann damit wenig an fangen Wir dagegen gewinnen durch einen lösemittelbasierten Prozess ein Regranulat das gleichwertig mit Neuware ist Ökologisch gesehen hochinteressant Hat das 04 Newcycling Verfahren auch wirtschaftliche Vorteile Ja wir benötigen deutlich weniger Energie als ein Hersteller Die primäre Kunststoffherstellung ist ein immens energie aufwändiger Prozess unser Newcycling Prozess ist deutlich effizienter Das hat uns auch ein unabhängiges Institut bestätigt das die Vergleichswerte aus der erzeugenden Industrie bestens kennt Das heißt letztendlich können wir im Preis deutlich unter Neuware anbieten Bei Polyethylen dem meisthergestellten Kunststoff der Welt schwankt der Primärpreis irgendwo bei circa 1 200 pro Tonne und wir liegen deutlich drunter Gegen Ende 2018 starten Sie die Produktion von 05 Regranulat in industriellem Maßstab Verraten Sie uns Ihre Pläne für weitere Anlagen in Europa und Südostasien Derzeit fließen die Erkenntnisse aus der einjährigen Testphase in den Umbau unserer Anlage ein und ab November 2018 werden wir die Produktion wieder anfahren Dann beginnt für uns der Regelbetrieb also mit Post Industry Kunststoffen Wir arbeiten bereits mit verschiedenen Unternehmen eng zusammen ob auf Seiten der Kunststoff Hersteller oder direkt mit Markenartiklern Unser neues Projekt mit Henkel zeigt dass das Interesse der Industrie sehr groß ist Hier wurden eigene strenge Tests gemacht und alle Eigenschaften des Materials auch das Erscheinungsbild konnten erfüllt werden Wir haben den Beweis erbracht dass ein zirkuläres Produkt möglich ist und werden das sicher auch mit anderen Inhabern anderer Marken umsetzen Parallel dazu haben wir eine Forschungs und Entwicklungsabteilung aufgebaut die sich nun dem Thema Post Consumer Kunststoffe widmet Da haben wir es mit deut lich mehr Verschmutzung zu tun und mit unterschiedlichsten Farben Wir brauchen spezielle Verfahren um zum Beispiel die Farbpigmente aus dem Kunststoff zu entfernen Dieses neue Werk wird Anfang 2021 in Betrieb gehen Es ist schon jetzt sehr wahrscheinlich dass wir mehrere Anlagen bauen Die Frage ist eigentlich nur in welcher Reihenfolge Manche unserer Partner würden unsere Technologie gerne in Südostasien sehen Denn der Plastikmüll in den Weltmeeren stammt zu großen Teilen aus dieser Region Wir könnten also helfen Kunststoffabfälle wiederaufzubereiten bevor sie als Müll in die Umwelt gelangen und dort Schaden anrichten Die MIG AG ist schon vor 10 Jahren als Investor bei 06 der APK eingestiegen Eine mutige Entscheidung Das kann man wohl sagen Als die APK vor 10 Jahren gegründet wurde hatten wir noch einen weiten Weg vor uns Die MIG hat unsere Entwicklung von Anfang an mitgetragen über alle Phasen Da ist ein langer Atem wichtig Wenn man eine Zu kunftstechnologie entwickelt kann s auch Rückschläge geben das ist normal Jetzt ist unser Verfahren ausgereift Die langfris tige Orientierung eines starken und verlässlichen Partners war und ist für uns sehr hilfreich Genauso wie auch das Know how der MIG ob bei der strategischen Ausrichtung bei der IT Sicherheit oder beim Thema Fördermittel Die APK kann sich als selbständiges Unternehmen frei entfalten und die MIG steht uns überall wo es nötig ist mit Rat und Tat zur Seite Herr Wohnig vielen Dank für das Gespräch 55 Leader Portrait

Vorschau MIG MAG Q2/2018 Seite 55
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