Der Begriff des Venture Capital (abgekürzt: VC) bedeutet wörtlich ins Deutsche übersetzt Wagniskapital oder Risikokapital. Als Venture-Capital-Finanzierung oder Venture-Capital-Investition wird die Bereitstellung von Eigenkapital durch einen Investor an Unternehmen, meist während oder kurz nach dessen Gründungsphase, bezeichnet. Der Kapitalgeber stellt dem Beteiligungsunternehmen langfristig (regelmäßig ca. drei bis acht Jahre) Eigenkapital abschließend zur Verfügung und erhält im Gegenzug einen Unternehmensanteil. Die Rendite der Kapitaleinlage hängt ausschließlich vom unternehmerischen Erfolg des Beteiligungsunternehmens ab.
Eine solche Form der Unternehmensfinanzierung wird auch als Private-Equity-Finanzierung bezeichnet. Die Begriffe stehen – wörtlich aus dem Englischen übersetzt – für Eigenkapital (Equity) und privaten (Private), also vor- oder außerbörslichen Kapitaleinsatz. Private Equity steht somit begrifflich ebenfalls für eine Beteiligung an Unternehmen durch die Bereitstellung von Eigenkapital.
Diese Form des Kapitaleinsatzes bietet außergewöhnliche Renditechancen: Die Fondsgesellschaft und mit ihr die Gesamtheit ihrer Gesellschafter profitieren über die unmittelbare Beteiligung von der Wertsteigerung ihrer Beteiligungsunternehmen, die ihrerseits mit dem Kapital der Fondsgesellschaft zugleich eine wesentliche Anschubfinanzierung erhalten. Bei erfolgreichem Verlauf dient Venture Capital somit beiden Interessen, denen des Kapitalgebers und denen des Kapitalnehmers. Der Einsatz von Wagniskapital bestätigt in einem solchen Fall im besten Sinne das Sprichwort: „Wer wagt, gewinnt“.
Sowohl die Chancen als auch die Risiken der Beteiligung haben denselben Ursprung: Der Anleger geht sowohl in rechtlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine unternehmerische Beteiligung an einer Gesellschaft ein, die ihrerseits direkt in andere Unternehmen investiert.
Chancen
Die besondere Chance der Beteiligung liegt darin, dass der gesamte Wert der Fondsgesellschaft steigt oder der Fondsgesellschaft laufende Erträge zufließen, indem die eigenen Unternehmensbeteiligungen der Gesellschaft prosperieren. Der Anleger nimmt somit im Ergebnis am unternehmerischen Erfolg der Beteiligungsunternehmen der Fondsgesellschaft teil und kann somit im günstigen Fall erhebliche Wertsteigerungen seines eingesetzten Kapitals erzielen, die deutlich über die Rendite bei mündelsicheren Vermögensanlagen, wie z. B. auf einem Sparbuch oder bei einer Anlage als Festgeld, hinausgehen.
Diese Wertsteigerung um ein Mehrfaches des eingesetzten Kapitals ist vor allem dann denkbar, wenn die Fondsgesellschaft wie vorrangig beabsichtigt in junge Hochtechnologie-Unternehmen investiert: Sofern die Produktentwicklung eines solchen Unternehmens erfolgreich ist oder ein Produkt zur Marktreife geführt werden kann, nicht zuletzt weil die Fondsgesellschaft dem jungen Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt hat, ergibt sich oftmals eine erhebliche Unternehmenswertsteigerung, die die Fondsgesellschaft durch eine Weiterveräußerung ihrer Beteiligung, gegebenenfalls nach einem Börsengang des Beteiligungsunternehmens, realisieren kann.
Risiken
Das Fondskonzept begründet jedoch zugleich besonders erhebliche Risiken. Die Fondsgesellschaft erhält für ihre Investitionen seitens der Beteiligungsunternehmen keine Sicherheiten. Die Beteiligungsunternehmen erhalten das investierte Kapital als Eigenkapital und grundsätzlich zur freien Verfügung. Die Fondsgesellschaft ist daher – anders etwa als eine Darlehen gebende Bank – nicht Gläubigerin des Beteiligungsunternehmens, sondern wird mit ihrer Einlage letztlich mithaftende Partnerin des Beteiligungsunternehmens und trägt vollständig dessen unternehmerisches Risiko.
Gerade bei jungen Unternehmen ist darüber hinaus oft wenig eigene Vermögenssubstanz vorhanden: Sofern die Geschäftsidee scheitert, ein wesentliches Entwicklungsvorhaben misslingt, ein Wettbewerber erfolgreich gewerbliche Schutzrechte angreift oder die Geschäftsleitung des Beteiligungsunternehmens schlecht wirtschaftet, kann das von der Fondsgesellschaft eingesetzte Kapital vollständig verloren sein.
Wenn mehrere Beteiligungen der Fondsgesellschaft derart misslingen, besteht für die Fondsgesellschaft und infolgedessen für den Anleger sogar das Risiko, dass mit dem Gesellschaftskapital überhaupt keine Renditen erzielt oder das Kapital sogar ganz oder zumindest teilweise durch Fehlinvestitionen und Verlust aufgezehrt werden. Im schlimmsten Fall, etwa wenn alle Investitionen scheitern oder durch die verbleibenden Investitionen die Kosten der Beteiligung nicht erwirtschaftet werden, droht sogar ein Totalverlust der Kapitalanlage.
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