GlassPoint – Sonnenenergie für industrielle Wärme: Der Weg zur Dekarbonisierung der Industrie
Autor: Frederick Michna, Principal MIG Capital AG
Wie GlassPoint mit solarthermischen Lösungen eine neue Ära industrieller Energieversorgung einleitet.
Gute Nachrichten aus dem MIG Fonds-Portfolio: Unser Beteiligungsunternehmen GlassPoint hat eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von rund 20 Millionen US-Dollar erfolgreich abgeschlossen. Neben bestehenden Investoren wie den MIG Fonds beteiligte sich auch der Privatinvestor N.I.S. an der Runde. Das frische Kapital stärkt die Wachstumsstrategie des Unternehmens und beschleunigt den Aufbau seiner Projektpipeline in Europa, dem Nahen Osten und Nordamerika.
Sonnenenergie für industrielle Wärme
GlassPoint verfolgt eine klare Mission: die kosteneffiziente Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme, einem Sektor, der rund ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs ausmacht und bislang zu über 80 % fossil ist.
Das Unternehmen nutzt konzentrierte Solarenergie, um Sonnenlicht direkt in Wärme umzuwandeln, die in energieintensiven Industrieprozessen benötigt wird, z.B. in der Metallurgie, Chemie, Papier- und Zellstoffproduktion, Lebensmittelverarbeitung oder Wasseraufbereitung.
Die Technologie von GlassPoint basiert auf Parabolrinnen-Kollektoren, die in leichten, geschlossenen Strukturen ähnlich großen Gewächshäusern installiert sind. Diese Bauweise schützt die Spiegel vor Staub, Wind und Sand. Das ist ein entscheidender Vorteil in sonnenreichen, trockenen Regionen. Über mehr als 100 Patente sichern das einzigartige Know-how von GlassPoint in den Bereichen Spiegelgeometrie, Beschichtung, Dachfolien und Systemintegration.
Das Spiegelsystem bündelt Sonnenlicht auf Rohre, in denen geschmolzenes Salz als Wärmeträgerflüssigkeit zirkuliert. Dieses Medium kann die thermische Energie über viele Stunden speichern, sodass die Wärme auch zu einem späteren Zeitpunkt (z.B. nachts) abgerufen werden kann. Damit lassen sich zahlreiche industrielle Anwendungen im Temperaturbereich von 150-400°C abdecken: von Trocknungs- und Verdampfungsprozessen bis hin zu chemischen Reaktionen und Dampfkreisläufen.
So entsteht ein CO₂-freier Wärmelieferant, der fossile Brennstoffe nicht nur ersetzt, sondern in über der Hälfte aller Standorte weltweit günstiger als Erdgas ist und deutlich wirtschaftlicher als eine Elektrifizierung der Wärmeerzeugung. Durch fortlaufende Innovationen und Skaleneffekte kann GlassPoint diesen Preisvorteil gegenüber fossilen Alternativen stetig ausbauen.
Vom Öl-&-Gas-Pionier zum Treiber der industriellen Energiewende
GlassPoint war ursprünglich ein Pionier der Solarenergie im Öl- und Gasbereich. Die erste Großanlage des Unternehmens wurde bereits 2017 in Oman in Betrieb genommen und liefert seither 330 MW thermische Energie für die Erdölförderung.
Nach einer Restrukturierung im Zuge der Pandemie hat das Unternehmen seine Technologie und sein Geschäftsmodell konsequent weiterentwickelt. Heute konzentriert sich GlassPoint auf erneuerbare Wärme für Industrieunternehmen mit langfristigen Dampf-Lieferverträgen („Steam-as-a-Service“) und einem skalierbaren, kapitalleichten Modell. Dabei werden die Anlagen von Dritten finanziert und gehalten (z.B. Infrastrukturfonds), während GlassPoint als Entwickler, Lieferant essentieller Bauteile sowie im laufenden Betrieb als Lizenzgeber agiert.
Unter der Leitung von CEO Rod MacGregor, der das Unternehmen bereits in seiner ersten Wachstumsphase erfolgreich führte, ist GlassPoint heute erneut auf Wachstumskurs.
Das Team besteht heute aus erfahrenen Experten in den Bereichen Solarenergie, Großanlagenbau und Projektfinanzierung.
Globale Pipeline und strategische Partnerschaften
Unter anderem aufgrund regulatorischer Auflagen und fluktuierender Preise für fossile Brennstoffe stehen viele Branchen unter enormen Druck, ihre Produktion zu dekarbonisieren. Dies spiegelt sich auch in der Pipeline von GlassPoint wider, die derzeit weltweit mehrere Dutzend Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen beinhaltet.
Das derzeit wichtigste Projekt ist der geplante Bau der weltweit größten solarthermischen Anlage für den Bergbaukonzern Ma’aden in Saudi-Arabien. In seiner vollen Ausbaustoffe wird diese 7km² große Anlage mit 1,5 GW thermischer Leistung jährlich rund 600.000 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht den jährlichen Emissionen von rund 130.000 (Verbrenner-)PKWs.
Die erste Phase des Projekt Ma’aden ist der Bau einer Showcase- bzw. Pilotanlage, die als technologischer Proof Point für die geplante Großanlage dienen wird. Die Entwicklungsarbeiten hierzu sind zum überwiegenden Teil abgeschlossen und GlassPoint erwartet die finale Investitionsentscheidung und den Spatenstich in 2026. Parallel wird GlassPoint in Saudi-Arabien Produktionskapazitäten für Spiegel- und Folienkomponenten aufbauen, um die regionale Wertschöpfungskette zu stärken.
Neben dem regen Interesse potenzieller Kunden profitiert GlassPoint von signifikanter stattlicher Förderung u.a. in Saudi-Arabien und Deutschland. Unter anderem wird z.B. die Pilotanlage stark vom saudischen Investitionsministerium MISA unterstützt.
Ein Markt im Aufbruch
Der globale Markt für industrielle Wärme bietet ein gewaltiges Potenzial:
Schätzungen zufolge sind weltweit Investitionen von rund 2,2 Billionen US-Dollar erforderlich, um die industrielle Prozesswärme in sonnenreichen Regionen zu dekarbonisieren.
Mit einer starken Pipeline, einem validierten Geschäftsmodell und einer klaren technologischen Führungsposition ist GlassPoint optimal aufgestellt, um sich als führender Anbieter für industrielle Solarwärme weltweit zu etablieren.



