IQM: Wir arbeiten unsere ehrgeizige Roadmap systematisch ab
Dr. Søren Hein war acht Jahre für MIG Capital als Partner tätig. Dabei betreute er erfolgreich zahlreiche Beteiligungen, unter anderem Siltectra, ein Start-up der MIG Fonds, das für 124 Millionen Euro an Infineon verkauft wurde. In seiner Zeit als MIG Partner war Dr. Søren Hein auch mit IQM befasst. Unser MIG Fonds Portfoliounternehmen im Bereich des Quantencomputing ist einer unserer großen Hoffnungsträger. Nachdem Dr. Sören Hein 2025 als Partner ausschied und sich als Venture Partner beratend um die Beteiligungen Innatera, Zadient, GlassPoint und KONUX gekümmert hat, wurde er kürzlich zum Chief Operating Officer und Deputy CEO von IQM berufen.
Herr Hein, Sie sind seit kurzem in einer verantwortlichen Position neben Dr. Jan Goetz bei IQM tätig. Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben?
Dr. Søren Hein: IQM ist seit der Gründung 2018 in einem enormen Tempo gewachsen, die parallel zu bewältigenden Aufgaben sind endsprechend umfangreich und anspruchsvoll. In meiner operativen Funktion geht es beispielsweise um den Ausbau der Chip Fabrikation in Espoo in Finnland. Hinzu kommt der Bau und Service von Quantenrechnern und der Betrieb von Cloud-Rechnern. Als Vize-CEO stehen die Planung und Umsetzung der strategischen und funktionsübergreifenden Themen im Fokus, wobei ich mich auf das Engste mit Jan abstimme.
Wir sind schon heute der Hersteller mit den meisten verkauften Quantencomputern.
IQM gilt als eines der führenden jungen Unternehmen bei der Entwicklung von Quantencomputern in Europa. Wie weit ist nach Ihrer Einschätzung IQM auf dem Weg, einen Quantencomputer am Markt zu offerieren, der Unternehmen Lösungen in der realen Welt bietet.
Dr. Søren Hein: Eine konkrete Prognose ist schwierig, wird richtigerweise zwar von Analysten, jedoch nicht von uns als Hersteller gemacht. Für uns gilt: IQM hat in kurzer Zeit viele Fortschritte erzielt, die in die richtige Richtung führen. Derzeit arbeiten wir unsere ehrgeizige Roadmap systematisch ab.
IQM ist dabei ein sogenannter full-stack provider, das heißt wir verkaufen komplette Systeme und nicht nur einzelne Komponenten. Da diese Systeme in hohem Tempo komplexer werden, werden auch Partnerschaften auf technischer und kommerzieller Ebene zunehmend wichtig.
Der Kundenwert entsteht letztendlich, wenn unsere Systeme schwierige Probleme aus der Simulation und Optimierung besser als klassische Rechner lösen können. Der Weg dorthin hängt nicht nur von der Hardware, sondern auch von den algorithmischen Entwicklungen bei IQM, bei Partnern und an Universitäten ab.
Wie sehen Sie IQM im europäischen Wettbewerb positioniert?
Dr. Søren Hein: Wir sind schon heute der Hersteller mit den meisten verkauften Quantencomputern. An der Generation mit 150 bis 300 Qubits wird derzeit gearbeitet. Wichtig ist, im Zeitverlauf die Fehler-Toleranz zu perfektionieren. Ein nächster wesentlicher Schritt ist die Fehlerkorrektur (QEC), die es ermöglich, mit sogenannten logischen (also sehr fehlerarmen) Qubits statt in den heutigen physischen Qubits zu arbeiten. Es braucht viele physische Qubits für ein logisches Qubit. In Zukunft wird es möglich sein, Computer mit bis zu 2.400 bis 7.200 logischen Qubits herzustellen, was vielleicht eine Million physische Qubits benötigen wird. Analysten erwarten, dass im Jahr 2035 der Markt für Quantencomputer ein Volumen von 72 Milliarden Euro haben könnte. An diesem Kuchen wollen wir partizipieren.