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NcodiN: Wenn optische Signale den Kupferdraht ersetzen

Interview mit Christina Vogt-Sasse, Investmentmanagerin bei MIG Capital und verantwortlich für die Beteiligung an NcodiN

Vor knapp einem Jahr investierte der MIG Fonds 18 und MIG Fonds 17 in das Pariser Startup NcodiN und hatte dabei eine 16 Millionen Euro Seed-Finanzierung angeführt.

Viele der jüngeren MIG-Neuinvestments wie Luffy AI, Hawkcell oder Inbolt verfügen über einen intensiven Bezug zu künstlicher Intelligenz. Besitzt auch NcodiN einen KI-Werthebel?

Christina Vogt-Sasse: Indirekt ja. Während beispielsweise die Software von Luffy AI künstliche Intelligenz direkt einsetzt, ist NcodiN im Hardware-Sektor tätig. Es geht dabei darum, Hochleistungschips noch besser zu machen. Eine höhere Performance ist dann insbesondere für KI-Anwendungen sehr relevant.

Wie genau will NcodiN Halbleiter verbessern?

Christina Vogt-Sasse: Jeder Chip verfügt über zahlreiche elektrische Verbindungen. Dabei leiten feinste Kupferdrähte den elektrischen Strom. Bei dem technologischen Ansatz von NcodiN ersetzen optische Signale, also Licht, die Kupferdrähte. Dies ist mit zwei entscheidenden Vorteilen verbunden. Gerade bei längeren Kupferdrähten geht schnell Energie bei der Übertragung verloren. Bei der optischen Übertragung von Daten passiert das nicht.

Neben der höheren Energieeffizienz ist auch die Bandbreite der Datenübertragung bei dem NcodiN-Ansatz besser.

Wir kennen diesen disruptiven Ansatz im Übrigen auch bei den Glasfaserkabeln, die deutlich effizienter sind als die herkömmlichen Kupferkabel.

Kann NcodiN bereits nachweisen, dass die Theorie auch in der Praxis funktioniert?

Christina Vogt-Sasse: Ja. NcodiN hat bereits eine vollständige optische End-to-End-Datenübertragung demonstriert. Dabei wird ein elektrisches Datensignal zunächst von einem auf Silizium integrierten Nanolaser in ein optisches Signal umgewandelt. Dieses Lichtsignal wird über den optischen Übertragungskanal zum Empfänger transportiert und dort von einem Nanodetektor wieder in ein elektrisches Signal zurückgewandelt.

Damit müssen im Wesentlichen drei zentrale Bausteine zusammenspielen: die Erzeugung und Modulation des Lichtsignals durch den Nanolaser, die optische Übertragung und schließlich die Detektion und Rückwandlung des Signals in elektrische Daten. Alle drei Komponenten wurden vom R&D-Team entwickelt und erfolgreich im Zusammenspiel demonstriert. NcodiN konnte dabei eine End-to-End-Verbindung über eine Distanz von rund einem Zentimeter zeigen.

Beim Einstieg der MIG Fonds hieß es, die Mittel der Finanzierung würden auch eingesetzt, um eine Dependance im Silicon Valley aufzubauen. Ist dies geschehen?

Christina Vogt-Sasse: Francesco Manegatti, der CEO von NcodiN, hat inzwischen seinen Lebensmittelpunkt ins Silicon Valley verlagert. Damit ist Francesco nah an den potenziellen Kunden der Technologie dran. Bei der Vernetzung von Francesco half unser Co-Investor Maverick ganz außerordentlich.

Unser Learning ist, dass wir bei jungen Geschäftsmodellen, die früh in den USA Fuß fassen wollen, gerne einen potenten US-amerikanischen VC-Investor an Bord haben. 

Um welche potenziellen Kunden handelt es sich?

Christina Vogt-Sasse: Zum einen um Chipentwickler wie Nvidia, die immer leistungsfähigere Prozessoren für KI-Anwendungen entwickeln, zum anderen aber auch um Speicherhersteller wie Micron oder SK hynix, da insbesondere die Verbindung zwischen Recheneinheiten und Speicher zunehmend zum Leistungsengpass moderner KI-Chips wird.

Nvidia lässt seine Chips beispielsweise von sogenannten Foundries wie TSMC fertigen, während Speicherhersteller wie SK hynix und Micron die entsprechenden Hochleistungsspeicher liefern. NcodiNs Technologie setzt genau an den Verbindungen zwischen diesen Rechen- und Speicherkomponenten an.

Zu führenden Akteuren der Halbleiterindustrie bestehen deshalb bereits enge Beziehungen.

Was wäre der nächste Schritt von NcodiN?

Christina Vogt-Sasse: Nach dem Proof of Concept ist nun der nächste Meilenstein, mit einem der großen Marktteilnehmer die NcodiN-Technologie auf einem Chip zu integrieren. An solchen sogenannten Joint-Development-Agreements wird derzeit gearbeitet.

Wie beurteilen Sie im Falle eines Erfolges der gemeinsamen Entwicklung die weiteren Aussichten?

Christina Vogt-Sasse: Grundsätzlich ist das Potenzial der NcodiN-Technologie sehr groß, weil auch die entsprechenden Märkte für Hochleistungs-Chips riesig sind. Das Startup Celestial AI wurde beispielsweise im Februar dieses Jahres von Marvell Technology für 3,25 Milliarden US-Dollar übernommen. Celestial hat ähnlich wie NcodiN eine Technologie entwickelt, bei der Lichtwellen Kupferdrähte bei der Datenübermittlung ersetzt. Marvell nutzt diese Technologie jedoch nicht für die Produktion von Chips, sondern für andere Anwendungen bei KI-Rechenzentren. Dennoch zeigt die Übernahme, dass NcodiN an einem technologischen Fortschritt arbeitet, der sich gegebenenfalls gut materialisieren lässt.