ASTRA Therapeutics: Die ersten Schritte sind getan
Interview mit Andreas Kastenbauer, Partner MIG Capital und verantwortlich für die Beteiligung ASTRA.
Das MIG Fonds Portfoliounternehmen ASTRA Therapeutics arbeitet an neuen therapeutischen Ansätzen zur Parasitenbekämpfung. Ziel ist es, Tiergesundheit zu verbessern und wirtschaftliche Verluste in der Landwirtschaft nachhaltig zu reduzieren.
Andreas Kastenbauer: Wir sind bei ASTRA zu einem sehr frühen Stadium eingestiegen. Es war zwar exzellente wissenschaftliche Expertise und eine bereits sehr fundierte Plattform vorhanden, aber die Wirkstoffprogramme befanden sich noch in einer Frühphase.
Vor diesem Hintergrund sind wir mit den Fortschritten mehr als zufrieden, die Lernkurve ist bemerkenswert.
ASTRA arbeitet an zwei Medikamenten – eines gegen Parasiten bei Hühnern und ein zweites gegen den Herzwurm bei Hunden. Wie ist der aktuelle Stand?
Andreas Kastenbauer: Es ist ASTRA gelungen, sehr rasch einen Lead-Kandidaten gegen die sogenannten Kokzidien bei Hühnern zu identifizieren – Parasiten, die den Darm schädigen und dadurch Wachstum und Futterverwertung erheblich beeinträchtigen können. Dieser Durchbruch erfolgte bereits Anfang des Jahres. Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch, dass der ursprüngliche Kandidat im Organismus zu schnell abgebaut wurde und damit keine ausreichende Wirkstoffexposition erreichte. Aufgrund einer fundierten Plattform, über die ASTRA von Anfang an verfügte, gelang es dem Team jedoch in kürzester Zeit, die chemische Struktur so zu modifizieren, dass die chemische Verbindung länger wirksam ist und damit seine Funktion erfüllt.
Wie geht es nun weiter?
Derzeit wird eine größere Wirksamkeitsstudie vorbereitet.
Andreas Kastenbauer: Bei positiven Ergebnissen könnte ASTRA anschließend in die weiterführende regulatorische Entwicklung eintreten. ASTRA ist also auf gutem Weg, ein Medikament gegen Kokzidien zu entwickeln.
Sind die Fortschritte bei der Bekämpfung des Herzwurms bei Hunden ebenfalls so erfreulich?
Andreas Kastenbauer: Ja, hier hatten wir Glück. Gleich die erste getestete chemische Klasse zeigte Wirkung. Man muss wissen: Beim Stich überträgt eine infizierte Mücke Larven auf den Hund. Diese entwickeln sich über mehrere Monate zu adulten Würmern, die vor allem die Lungenarterien und bei stärkerem Befall auch das rechte Herz schädigen. Ziel ist es, frühzeitig das Larvenwachstum zum Wurm zu verhindern. Die Behandlung bereits ausgewachsener Herzwürmer ist dagegen aufwendig und kann erhebliche Komplikationen verursachen. Deshalb ist eine wirksame Prävention besonders attraktiv.
Und der Ansatz von ASTRA gibt Hoffnung, die Parasiten einzudämmen?
Andreas Kastenbauer: Ja, in einem präklinischen Modell konnte der ASTRA-Ansatz die Entwicklung der Würmer bereits überzeugend verhindern. Nun beginnen die Studien an Hunden. Diese Studien sind im Gegensatz zu jenen bei Hühnern, bei denen ASTRA sofort am Ziel-Tier arbeiten kann, deutlich teurer und gesetzlich strenger reglementiert.
Wie sieht der anstehende Prozess aus?
Andreas Kastenbauer: Wir werden noch vor Weihnachten als nächstem Meilenstein erste Studien am Hund vornehmen. Sinde die Ergebnisse weiterhin positiv, gehen wir anschließend in eine große Studie, die optimalerweise kommenden Sommer den Proof of Concept liefert.
Was würde ein positiver Verlauf für die MIG-Anleger bedeuten?
In beiden Medikamentenklassen könnten sich dann Fenster für Diskussionen mit strategischen Partnern öffnen.
IAndreas Kastenbauer: Es gibt im Wesentlichen fünf dominante globale Player in diesem tiermedizinischen Markt. In beiden Indikationen beruhen viele etablierte Produkte auf seit Jahrzehnten bekannten Wirkstoffklassen, bei denen Resistenzen zunehmend zum Problem werden. Bereits heute steht das ASTRA-Team, etwa im Rahmen der beiden großen weltweiten Tiermedizinmessen in Kansas City und London, mit den führenden Pharmakonzernen in Kontakt.
Gleichzeitig legt ASTRA ein Augenmerk darauf, die Ergebnisse mit zahlreichen Patenten zu sichern.
Wie könnte das Angebot von ASTRA eines Tages aussehen?
Andreas Kastenbauer: Die beiden adressierten Krankheiten sind die bedeutendsten in der Tiermedizin. Studien zeigen, dass das Hühnerwachstum durch Kokzidien bis zu 30 Prozent verringert wird. Hühner entwickeln eine zunehmende Resistenz gegen die üblichen Antikokzidien. Ein neuartiges, hochselektives antiparasitäres Medikament von Astra wäre nicht nur volkswirtschaftlich ein Durchbruch, es könnte auch eine wesentlich gezieltere Behandlung ermöglichen, bei der der Parasit angegriffen und der Wirt möglichst geschont wird.
Gibt es ähnliche Resilienzen gegen die aktuellen Medikamente auch beim Herzwurm?
Andreas Kastenbauer: Ja, auch beim Herzwurm sind insbesondere in Teilen der USA Resistenzen gegenüber etablierten Präventionswirkstoffen dokumentiert. Er dringt vom dortigen Süden in nördlichere Regionen vor. In Europa stellen wir diese Krankheit in Spanien, Portugal und Frankreich immer häufiger fest. Die Erderwärmung trägt auch hier zur regionalen Ausbreitung Richtung Norden bei. Eine neue Medikamentenklasse, wie sie ASTRA anstrebt, könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, die Verbreitung des Parasiten in Schach zu halten.
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