Investmentausblick 2026, Teil I: Sechs Deep Tech Investmentfelder 2026: Weniger Hype, mehr Substanz
Autor: Frederick Michna, Principal MIG Capital
2026 wird für Deep Tech kein Jahr der großen Versprechen, sondern der Bewährung. Welche Technologiefelder dieses Jahr besonders relevant für die MIG Fonds sind, beschreibt Frederick Michna in zwei Beiträgen.
Nach Jahren außergewöhnlicher Dynamik tritt der Venture-Capital-Markt in eine neue Phase ein. Nach dem Rückgang 2022/23 hat sich das jährliche VC-Investitionsvolumen bis 2025 in Deutschland erholt und bei circa 8 Milliarden Euro stabilisiert. Gleichzeitig ist die Anzahl der Deals in den vergangenen Jahren deutlich gefallen und das Volumen pro Transaktion ist zwischen 2023 und 2025 um fast 50% gestiegen. Selektivität und Konzentration sind in der Branche spürbar gestiegen.

Die Zeiten des breiten Investierens kleiner Tickets in eine Vielzahl junger Startups (das sogenannte „Spray & Pray“) weichen einer neuen Ära in der Venture Capital Branche, die zunehmend auf substanzielle Deep Tech-Ansätze und deren Skalierbarkeit statt auf die nächste Lifestyle App setzt.
Für die MIG Fonds ist diese Entwicklung positiv, denn wir investieren seit vielen Jahren in Unternehmen, deren Technologien tief in Wissenschaft, Hardware und industrieller Anwendung verankert sind.
Der Blick auf 2026 bestätigt den Fokus auf sechs Felder, in denen unsere Portfoliounternehmen zum Teil schon vertreten sind und die auch für neue Investments in 2026 besonders relevant sein werden.

Advanced Computing: Wenn KI an physische Grenzen stößt
KI bleibt der dominierende Treiber des VC-Marktes. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass ihr wirtschaftlicher Erfolg nicht allein von Modellen und Algorithmen abhängt. Rechenleistung, Energieeffizienz und Infrastruktur entwickeln sich zu strategischen Engpässen.
2026 wird sich der Fokus bei KI deshalb von „größer, schneller, mehr Daten“ hin zu Effizienz, Hardware-Integration und Energieverbrauch pro Rechenschritt verschieben. Der Hintergrund ist klar bezifferbar: Der globale Markt für KI-Chips soll bis 2030 ein jährliches Volumen von über 300 Mrd. US-Dollar erreichen, während gleichzeitig bis 2030 weltweit Investitionen von mehr als 5 Billionen US-Dollar in Rechenzentrums- und Energieinfrastruktur erforderlich werden.
KI wird immer abhängiger von Strom, Kühlung und intelligentem Design. Mehrere führende Investoren sprechen bereits von Energie und Rechenkapazität als strategischen Schlüsselressourcen der kommenden Dekade.
Ein Beispiel aus dem Portfolio der MIG Fonds 17 und 18 ist NcodiN. Das französische Unternehmen entwickelt neuartige, optische Hardware-Architekturen, die Rechenprozesse deutlich energieeffizienter ausführen als klassische, kupferbasierte Ansätze. Gerade im Kontext wachsender KI-Rechenzentren adressiert NcodiN einen zentralen Engpass: Wie lässt sich steigende Rechenleistung ermöglichen, ohne dass Energiebedarf und Kosten exponentiell wachsen?
Solche Effizienztechnologien sind kein Randthema, sondern werden zur Voraussetzung für die Skalierung von KI.
Edge AI: Intelligenz dort, wo die Daten entstehen
Parallel zur Diskussion um zentrale Rechenzentren gewinnt ein zweiter Technologie-Trend an Bedeutung: Edge AI. Steigende Cloud-Kosten und regulatorische Anforderungen an Datenschutz führen dazu, dass Unternehmen Rechenleistungen zunehmend näher an die Datenquelle verlagern. Statt alle Daten in die Cloud zu übertragen, werden KI-Modelle direkt auf Geräten, Maschinen oder Sensoren ausgeführt mit niedriger Zeitverzögerung, höherer Datensouveränität und deutlich geringeren Betriebskosten.
Ein anschauliches Beispiel hierfür ist Innatera (MIG Fonds 8 und 16). Das niederländische Unternehmen entwickelt neuromorphe Prozessoren, die sich an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientieren. Sie ermöglichen extrem energieeffiziente KI-Berechnungen etwa für Sensorfusion, Mustererkennung oder Ereignisdetektion in Echtzeit.
Für 2026 erwarten wir, dass sich solche sogenannten Edge-Ansätze von der Nische zur Schlüsseltechnologie entwickeln. Nicht zuletzt, weil Unternehmen zunehmend hinterfragen, ob hohe Cloud-Kosten und Datenabhängigkeiten langfristig tragfähig sind.
Frederick Michna wird in einem zweiten Blog vier weitere Technologiefelder erläutern, die 2026 im Fokus der MIG Fonds stehen.