Look Up – Warum Weltraumüberwachung jetzt zählt

Im April 2026 umkreisen mehr als 14.300 aktive Satelliten die Erde, zehnmal mehr als noch vor zehn Jahren. Allein im vergangenen Jahr wurden über 4.300 neue Satelliten gestartet, angetrieben durch Mega-Konstellationen wie Starlink. Die Folge: Der niedrige Erdorbit (LEO), in dem über 90 % des Weltraumverkehrs stattfinden, wird zunehmend überfüllt und umkämpft. Gleichzeitig ist Europa bei der Erkennung und Verfolgung von Objekten im Orbit zu über 90 % von US-amerikanischen Daten abhängig. In einer Zeit, in der Weltrauminfrastruktur zur kritischen Infrastruktur geworden ist und geopolitische Allianzen sich verschieben, ist diese Abhängigkeit ein strategisches Risiko. Look Up, ein MIG Fonds Portfoliounternehmen seit 2023, baut die Technologie, um diese Lücke zu schließen.

Look Up: Wer sie sind und was sie bauen

Look Up (ehemals Look Up Space) wurde Ende 2022 in Toulouse gegründet von zwei Persönlichkeiten, die das französische Weltraumüberwachungssystem von innen kennen: General (a. D.) Michel Friedling, der erste Kommandeur des französischen Weltraumkommandos (2019–2022), und Juan Carlos Dolado Pérez, der ehemalige Leiter der Weltraumüberwachung bei der französischen Raumfahrtagentur CNES und weltweit anerkannter Experte mit über 50 wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Weltraumschrott.

Die Kombination aus militärischer Bedarfskenntnis und wissenschaftlicher Tiefe ist für ein Startup in diesem Bereich einzigartig. Friedling weiß, was Verteidigungsministerien brauchen; Dolado weiß, wie man es technisch baut.

Drei technologische Säulen

SORASYS – ein globales Netzwerk bodengestützter Radare der nächsten Generation, die Objekte im LEO bis hinunter zu rund 10 cm Größe erkennen und verfolgen können – rund um die Uhr, unabhängig von Wetter und Lichtverhältnissen.

SYNAPSE – eine cloud-native Datenfusionsplattform, die Radar-, Optik-, Radiofrequenz- und Laserdaten in Echtzeit zusammenführt. SYNAPSE katalogisiert über 56.000 orbitale Objekte und liefert Kollisionswarnungen, Manöverempfehlungen und Bedrohungserkennung.

Space Operations-as-a-Service – unterstützt durch das EU-Programm ATLAS2 für automatisierte LEO-Sicherheit. Look Up kontrolliert damit die gesamte Wertschöpfungskette von der Datenerzeugung bis zur operativen Entscheidungsunterstützung.

Das Team ist von 35 Mitarbeitenden Anfang 2025 auf rund 90 Ende 2025 gewachsen, ein Zeichen für die schnelle Skalierung des Unternehmens.

MIG Fonds: Investiert seit der ersten Stunde

MIG Fonds haben Look Up im Juni 2023 in der Seed-Runde co-geführt, gemeinsam mit CosmiCapital (Karista, Frankreich). Die Runde von €14 Mio. (jeweils €7 Mio. privates Kapital und öffentliche Zuschüsse über France 2030) war die zweitgrößte Seed-Runde in europäischer Space Tech und die größte in Frankreich.

Im Juni 2025 hat MIG in der Series A nachgelegt. Die Runde von ca. €50 Mio. (Eigenkapital, Bankfinanzierung und EU-Zuschüsse) wurde von ETF Partners (UK) angeführt und zählt zu den größten Series-A-Runden in europäischer Space Tech des letzten Jahrzehnts. Leadwind/KFund (Spanien) und der EIC Fund (EU) kamen als neue Investoren hinzu; €15 Mio. nicht-verwässernde EU-Mittel fließen in zwei neue Radarstationen in Französisch-Polynesien.

Die Runde bestand ausschließlich aus europäischen Investoren, ein bewusstes Signal für die europäische Souveränitätsstrategie des Unternehmens.

„Look Up leistet einen wichtigen Beitrag zur digitalen und Verteidigungsinfrastruktur Europas, in einer Zeit, in der Weltraumverkehr und Risiken exponentiell steigen und der Weltraum zum Feld wirtschaftlichen und militärischen Wettbewerbs wird.“

Dr. Oliver Kahl, MIG Capital

Meilensteine: Vom Radar zum Umsatz in Rekordzeit

SORASYS-1 operationell (November 2025)

Im November 2025 schloss Look Up die operationellen Tests von SORASYS-1 erfolgreich ab. Dies ist Frankreichs erstes Weltraumüberwachungsradar, das von einem Startup entwickelt und betrieben wird. Das Radar steht in Lozère und wurde im Rahmen von France 2030 und durch die Europäische Kommission finanziert.

Erster kommerzieller Datenvertrag mit CNES (Dezember 2025)

Nur einen Monat nach den erfolgreichen Tests unterzeichnete Look Up am 2. Dezember 2025 direkt am Radarstandort einen nationalen Datenkaufvertrag mit der französischen Raumfahrtagentur CNES, den allerersten kommerziellen Datenverkauf des Unternehmens. CNES als Ankerkunde validiert die Datenqualität und markiert den Übergang von Technologieentwicklung zu Umsatzgenerierung.

Französisch-Polynesien: Zwei neue Radare (Februar 2026)

Im Februar 2026 unterzeichnete Look Up einen 20-Jahres-Vertrag mit Tahiti Nui Telecom für die Installation und den Betrieb von SORASYS 2A und 2B am Standort Papenoo auf Tahiti. Die Betriebsaufnahme ist für September 2026 bzw. März 2027 geplant. Die EU kofinanziert 45 % der Investitionen über das EU-SST-Programm. Die Unterzeichnung fand im französischen Ministerium für Hochschulen, Forschung und Weltraum statt, ein politisches Signal auf höchster Ebene.

Daten-Launch & US-Expansion (April 2026)

Am 15. April 2026 verkündete Look Up den Abschluss einer umfangreichen Qualifikations- und Kalibrierungskampagne. Über mehrere Wochen Dauerbetrieb sammelte das System Tausende von Beobachtungen über knapp 1.000 Objekte, mit einer Leistung, die institutionelle Anforderungen einschließlich EU-SST-Standards übertrifft.

Ab Mai 2026 sind die SORASYS-Radardaten kommerziell verfügbar, für institutionelle Akteure, Verteidigungsorganisationen und Satellitenbetreiber weltweit. Gleichzeitig expandiert Look Up in die Vereinigten Staaten, um das dynamischste Weltraumökosystem der Welt direkt zu bedienen.

„Mit SORASYS-1 im operationellen Betrieb, unseren Daten, die kommerziell verfügbar werden, und unserer Expansion in die USA tritt Look Up in eine neue Phase ein. Wir bewegen uns von der Technologievalidierung zur Lieferung hochpräziser, handlungsrelevanter Daten für Betreiber weltweit.“

Michel Friedling, Co-Founder & CEO, Look Up

Japan: Partnerschaften im Rahmen von Macrons Staatsbesuch (April 2026)

Präsident Macron besuchte Japan vom 31. März bis 2. April 2026 – mit Schwerpunkten auf Verteidigungskooperation und strategischer Autonomie. Beide Länder unterzeichneten Abkommen zu Verteidigung, KI, Nuklearenergie und kritischen Rohstoffen. Macron und Premierministerin Takaichi besuchten gemeinsam das Weltraum-Startup Astroscale in Tokio.

In diesem Kontext kündigte Look Up am 1. April eine Partnerschaft mit SpaceData Inc. (Tokio) an: Gemeinsam bauen sie eine SSA-Datenplattform für Japan auf. Look Up liefert Orbitaldaten via SORASYS und SYNAPSE, während SpaceData mit seiner Digital-Twin-Plattform ‚PROVIDENCE“ die japanische Dateninfrastruktur aufbaut. Zwei Tage später folgte ein weiteres MOU mit Star Signal Solutions (Japan) zur Validierung von Radar-Optik-Daten.

Der geopolitische Hintergrund gibt diesen Partnerschaften zusätzliches Gewicht: Japan baute im März 2026 seine Weltraumoperationseinheit zu einer größeren „Space Operations Group“ mit rund 670 Personen aus und unterzeichnete ein Abkommen zur Entsendung eines Verbindungsoffiziers an das französische Weltraumkommando. Look Ups Japan-Expansion ist damit in eine vertiefte bilaterale Sicherheitskooperation eingebettet.

Der Markt: Europas Verteidigungshochlauf im Weltraum

Die europäische Verteidigungslandschaft durchläuft einen historischen Umbruch, und der Weltraum steht dabei im Zentrum.

Deutschland: €35 Mrd. für militärische Weltraumsysteme

Im September 2025 kündigte Verteidigungsminister Pistorius an, dass Deutschland zwischen 2026 und 2030 €35 Mrd. in militärische Weltraumsysteme investieren wird. Dies ist eine Größenordnung, die dem gesamten Fünfjahresbudget der ESA entspricht. Im November folgte die erste nationale Weltraumsicherheitsstrategie mit konkreten Vorhaben: neue SAR-Satelliten, eine sichere Kommunikationskonstellation mit über 100 Satelliten (SATCOM Stage 4), sowie mögliche optische und SIGINT-Kapazitäten. Deutschland ist mit €5,4 Mrd. zudem größter ESA-Beitragszahler für 2026–2028.

Frankreich: €10,2 Mrd. und internationaler Weltraumgipfel

Frankreich erhöhte sein militärisches Weltraumbudget um €4,2 Mrd. für 2026–2030 auf insgesamt rund €10,2 Mrd. Im Juli 2026 richtet Frankreich den Internationalen Weltraumgipfel aus, eine Bühne, auf der Look Up als Vorzeigeprojekt der französischen Weltraumstrategie positioniert ist.

EU-weite Initiativen

Auf EU-Ebene nimmt die Dynamik weiter zu: Die IRIS-Satellitenkonstellation (290 Satelliten, €10,6 Mrd.) soll ab 2030 sichere Kommunikation für EU-Regierungen liefern. Der European Space Shield ist eines der vier EU-Verteidigungsflaggschiffe. Die ESA finanziert mit €1,35 Mrd. das neue Programm European Resilience from Space für Dual-Use-Technologien. Und im Rahmen von ReArm Europe mobilisieren die EU-Mitgliedstaaten bis zu €800 Mrd. für Verteidigung, mit einem €150-Mrd.-Darlehensinstrument (SAFE) für Raketenschutz, Drohnen und Cybersicherheit.

Insgesamt werden europäische Länder mindestens €95,5 Mrd. in Weltraumfähigkeiten bis 2030 investieren. Die EU-Verteidigungsausgaben erreichten 2024 bereits €343 Mrd. (+62 % gegenüber 2020) und werden 2025 voraussichtlich €392 Mrd. erreichen.

Warum das für Look Up relevant ist

Weltraumüberwachung ist die Voraussetzung für all diese Programme. Man kann keine Satelliten schützen, die man nicht sehen kann. Look Up adressiert eine identifizierte Fähigkeitslücke: Europa hat aktuell keine eigenständige, umfassende LEO-Überwachungsfähigkeit. Die massiven Budget-Erhöhungen schaffen einen strukturell wachsenden Markt für genau die Daten und Dienste, die Look Up liefert.

Ausblick

Look Up befindet sich an einem Wendepunkt: Die Technologie ist validiert, der erste Umsatz generiert, und die internationale Expansion hat begonnen. Die nächsten Meilensteine:

Globales Radarnetzwerk: Ziel sind sieben miteinander verbundene Radarstationen weltweit bis 2030, für eine nahezu lückenlose Überwachung des LEO. SORASYS 2A geht voraussichtlich noch 2026 in Französisch-Polynesien in Betrieb.

Wachsende Kundenbasis: Mit CNES als Ankerkunde, der US-Expansion und den japanischen Partnerschaften bedient Look Up zeitgleich drei große Märkte – Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik.

Defence-Positionierung: Die Präsenz auf der NATO Space Centre of Excellence Conference 2026 und die Einbettung in Programme wie EU-SST, ATLAS2 und France 2030 unterstreichen Look Ups Rolle als Verteidigungsinfrastrukturanbieter.

Weltraumgipfel Juli 2026: Frankreich richtet den Internationalen Weltraumgipfel aus, eine Bühne für Look Up, seine Fähigkeiten einem globalen Publikum zu präsentieren.

In einer Welt, in der Weltrauminfrastruktur zur kritischen Infrastruktur geworden ist, baut Look Up die Augen, die Europa braucht, um seine Satelliten zu schützen.