MIG Fonds 18: Die nächste Generation des MIG-Portfolios

Autor: Frederick Michna, Prinicipal MIG Capital AG

Seit mehr als 20 Jahren investieren wir in Technologieunternehmen, die zu früh, zu speziell oder zu mutig für den Mainstream sind. Das erfordert Urteilsvermögen und Geduld. Und die Bereitschaft, überzeugt zu bleiben, auch wenn der Markt noch skeptisch ist. Mit über 60 Beteiligungen und mehr als 20 Exits hat sich dieser Ansatz über viele Fondsgenerationen hinweg entwickelt.

Nicht jede Entscheidung war richtig. Einige abgelehnte Opportunitäten haben sich prächtig entwickelt. Bei manchen Beteiligungen haben wir zu früh verkauft, bei anderen zu lange gewartet. Das ist keine Ausnahme in diesem Geschäft, sondern die Regel. Was zählt, ist die Bilanz über viele Entscheidungen hinweg. Und was man aus den richtigen wie aus den falschen Entscheidungen lernt.

Der MIG Fonds 18 baut auf dem auf, was wir in zwei Jahrzehnten über Technologieinvestitionen, Unternehmensaufbau und unsere eigenen blinden Flecken gelernt haben.

Seit dem Start des MIG Fonds 18 Anfang 2024 haben wir drei Investments

getätigt:

CoreMedic aus Deutschland: Medizintechnik

ASTRA Therapeutics aus der Schweiz: Tiermedizin

NcodiN aus Frankreich: Halbleitertechnologie

Drei Unternehmen, drei Länder, drei Branchen. Diese Streuung ist kein Zufall, sondern zeigt, wie wir MIG Fonds 18 verstehen: als Portfolio, das technologische Differenzierung sucht, ohne alles auf eine Branche, eine Region oder eine Markterzählung zu setzen.

Daraus ergeben sich die Fragen, die unseren Investmentprozess prägen: Was suchen wir? Wo finden wir es? Warum sagen wir fast immer Nein? Was passiert nach dem Ja? Und woran messen wir am Ende, ob die Entscheidung richtig war?

Investmentstrategie: Was suchen wir?

Diversifizierung über Branchen, Regionen und Entwicklungsstadien ist für uns ein bewusstes Gegenmodell zu Fonds, die auf eine einzige Technologiewette setzen. So eine starke Fokussierung kann spektakulär aufgehen oder auch katastrophal enden. Wir haben uns dagegen entschieden, das Kapital unserer Anleger auf diese beiden Möglichkeiten zu reduzieren.

Was sich geändert hat: Wir setzen heute kleinere Einzeltickets ein und verteilen das Kapital auf mehr Schultern. Das ist auch eine Frage der Disziplin: Wer mit einem großen Einzelinvestment einsteigt, neigt dazu, länger zu halten als sinnvoll ist. Kleinere Positionen halten uns ehrlicher gegenüber der eigenen Einschätzung und machen es leichter, konsequent zu handeln, wenn sich ein Unternehmen anders entwickelt als erwartet. Die Selektivität bei der Auswahl bleibt dabei unverändert hoch.

Was geblieben ist: Wir investieren ausschließlich in Unternehmen mit echter technologischer Differenzierung. Was das im Einzelfall bedeutet, ist die eigentliche Kernarbeit. Geblieben ist auch die Zusammenarbeit mit starken Co- Investoren. Alleingänge funktionieren schlechter, weil kein einzelner Investor alle Expertise, alle Netzwerke und die finanziellen Ressourcen mitbringt, die es in der Begleitung eines Unternehmens braucht.

Bei NcodiN etwa sitzen wir gemeinsam mit Maverick Silicon, einem spezialisierten US-Investor im Halbleiterbereich, und dem deutschen VC-Pionier Earlybird am Tisch. Von den 514 Mio. EUR, die letztes Jahr insgesamt in unser Portfolio geflossen sind, stammten 32 Mio. EUR von den MIG Fonds. Der Rest kam von Partnern wie diesen. Die Strategie beschreibt, wonach wir suchen. Die Beteiligungsauswahl zeigt, wie selten daraus tatsächlich ein Investment wird.

Beteiligungsauswahl: Wo finden wir es – und warum sagen wir fast immer Nein?

Unser Deal Flow ist ein effektiver Trendradar für die europäische Innovationslandschaft. Wir lassen uns nicht von Hypes beeinflussen, doch wir müssen verstehen, wie Märkte sich entwickeln und wo neue Opportunitäten für die MIG Fonds entstehen. In den letzten zwölf Monaten haben wir mehrere Tausend Anfragen erhalten, wovon wir etwa 400 näher geprüft haben:

Regionen: Etwa die Hälfte der Deals stammt aus der DACH-Region. Die andere Hälfte kommt vor allem aus Europa und den USA, wobei innovationsstarke Märkte wie vor allem Frankreich, aber auch Großbritannien, Skandinavien und die Niederlande in unserem Deal Flow dominieren.

Sektoren: KI dominiert den Deal Flow, aber nicht als reiner Software-Trend. Die interessantesten Anfragen kommen von Unternehmen, die KI in Hardware, Sensorik oder industrielle Prozesse einbetten. NcodiN ist ein Beispiel dafür. Dual Use gewinnt an Gewicht: Technologien mit zivilem Ursprung werden zunehmend im Verteidigungs- und Sicherheitskontext relevant, was sowohl die Investorenbasis als auch die Exitlandschaft verändert. Biopharma und Medizintechnik sind Dauerthemen, unabhängig vom Marktumfeld. Coremedic und ASTRA Therapeutics spiegeln das wider. Climate Tech und Industrietechnologie runden das Bild ab.

Quellen: Viele Anfragen erreichen uns initiativ. Die relevantesten kommen jedoch fast immer über unser Netzwerk, d.h. Co-Investoren oder strategische Partner wie UnternehmerTUM, das Zentrum für Gründung und Innovation der Technischen Universität München, oder das Accelerator-Programm Ignite Next. Zunehmend gehen wir aber auch selbst proaktiv auf vielversprechende Teams zu, um Unternehmen kennenzulernen, bevor sie an den breiten Markt gehen. Um das große Volumen zu bewältigen, nutzen wir zunehmend KI-gestützte Tools, z.B. für die Erstbewertung von Unternehmen, die Analyse von Patentlandschaften oder das Monitoring von Wettbewerbsumfeldern. Wir trainieren diese Systeme laufend mit unserem institutionellen Wissen. Ob das am Ende besser funktioniert als die Intuition erfahrener Investoren, wissen wir noch nicht mit Sicherheit. Es hilft uns, schneller zu sehen, was eine genauere Betrachtung verdient.

Um das große Volumen zu bewältigen, nutzen wir zunehmend KI-gestützte Tools, z.B. für die Erstbewertung von Unternehmen, die Analyse von Patentlandschaften oder das Monitoring von Wettbewerbsumfeldern. Wir trainieren diese Systeme laufend mit unserem institutionellen Wissen. Ob das am Ende besser funktioniert als die Intuition erfahrener Investoren, wissen wir noch nicht mit Sicherheit. Es hilft uns, schneller zu sehen, was eine genauere Betrachtung verdient.

Am Ende investieren wir in deutlich unter ein Prozent der analysierten Unternehmen. Nicht jedes spannende Geschäftsmodell ist ein gutes Investment, und nicht jede gute Technologie hat das richtige Team dahinter.

Die Pipeline aktuell sehr gut gefüllt. Wie viele dieser Unternehmen tatsächlich ins Portfolio des MIG Fonds 18 kommen werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Mit der Investmententscheidung ist die Arbeit allerdings nicht abgeschlossen. In vielen Fällen beginnt dann der längere Teil.

Portfoliomanagement: Was passiert nach dem Ja?

Viele Investoren nennen sich aktiv. Was das konkret bedeutet, bleibt oft vage. Bei uns findet diese Arbeit auf drei Ebenen statt.

1. Organebene: Wir sitzen als Gesellschafter, häufig auch als Aufsichts- oder Beiratsmitglieder, mit am Tisch. Das gibt uns Einblick in Entscheidungsprozesse und die Möglichkeit, frühzeitig einzugreifen, wenn es nötig ist. Manchmal ist das willkommen. Manchmal auch nicht.
2. Formale Berichterstattung: Regelmäßige Reportings halten uns und unsere Anleger auf dem Laufenden: Finanzkennzahlen, Meilensteine, strategische Veränderungen. Der bürokratische Teil des Jobs, der aber nicht fehlen darf.
3. Persönliche Ebene: Das ist der Teil, den man nicht skalieren kann und der trotzdem den größten Unterschied macht. Wir agieren je nach Situation als Berater, Sparringspartner, Vermittler, Netzwerker oder Coach. Manchmal ist die wichtigste Funktion, jemandem zu sagen, was er hören muss, aber noch nicht hören will.

Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich am besten an konkreten Fragen illustrieren, die wir mit unseren Portfoliounternehmen im Alltag bearbeiten:

Wie sieht eine klinische Roadmap aus, die regulatorisch belastbar und gleichzeitig finanzierbar ist?
Welche strategischen Käufer kommen ernsthaft in Frage, und was müssen wir heute tun, damit das in fünf Jahren ein Gespräch auf Augenhöhe wird?
Welche Co-Investoren würden diese Runde inhaltlich voranbringen?
Wie finden wir einen CFO, der mit Gründern kann?
Wie schafft man als französisches Startup den Eintritt in den deutschen Markt? Inwiefern muss hierfür der Vertriebsansatz angepasst werden?

Dass wir solche Themen im heterogenen MIG Fonds-Portfolio abdecken können, liegt auch an der Zusammensetzung unseres Teams. Im Investmentteam von MIG arbeiten heute unter anderem eine Medizinerin, ein Molekularbiologe, zwei Luft- und Raumfahrtingenieure, ein Jurist, ein Maschinenbauingenieur, ein Elektroingenieur und zwei Betriebswirte zusammen. Das ist über Jahre so gewachsen, weil sich gezeigt hat, dass die Fragen unserer Portfoliounternehmen oftmals interdisziplinär sind. Diese Arbeit ist auch Vorbereitung auf den Moment, an dem sich zeigen muss, ob aus technologischer Substanz wirtschaftlicher Wert entstehen kann.

Exit: Woran messen wir am Ende, ob die Entscheidung richtig war?

Venture Capital ohne Exit ist Philanthropie. Das klingt zynisch, ist aber eine nüchterne Wahrheit, die man im Blick behalten muss. Wir stellen uns die Frage nach dem möglichen Erwerber deshalb bereits bei der Investmententscheidung: Wer könnte dieses Unternehmen in fünf oder acht Jahren kaufen wollen, und warum?

In der Praxis überwiegt bei uns der strategische Verkauf an Industriekonzerne. Strategische Käufer können in bestimmten Fällen höhere Bewertungen rechtfertigen, wenn sie konkrete Synergien sehen. Sekundärverkauf und Börsengänge sind ebenfalls mögliche Wege, aber die Erfahrung zeigt, dass man sie selten erzwingen kann.

Wir bauen früh Beziehungen zu potenziellen Erwerbern auf, lange bevor ein formeller Prozess startet. Wir helfen bei der IP-Strategie, beim Aufbau von Kundenreferenzen in relevanten Märkten und dabei, ein Unternehmen so aufzustellen, dass es für einen strategischen Käufer attraktiv ist.

In der Geschichte von den MIG Fonds haben wir über 20 Exits realisiert.

Dazu zählen Beteiligungen wie BioNTech, die wir in einer Phase begleitet haben, als mRNA-Technologie noch ein Nischenthema war. Dass wir damals überzeugt geblieben sind, war eine Frage des Urteilsvermögens. BioNTech ist das prominenteste Beispiel, aber nicht das einzige. Manche Unternehmen haben wir unter schwierigen Umständen verkauft, bei einigen hätten wir länger durchhalten sollen, bei anderen kürzer.

Gute Exit-Ergebnisse sind weniger Glückssache als oft behauptet. Sie sind nicht vollständig planbar, aber sie sind vorbereitbar. Sie sind das Ergebnis geduldiger, strategisch ausgerichteter Arbeit.

Fazit: Was 20 Jahre lehren

Der MIG Fonds 18 ist das Ergebnis von über 20 Jahren Erfahrung: schärfere Selektivität, ein breiteres Team, mehr Unterstützung durch KI im Prozess und eine immer engere Verzahnung mit unserem Fundraising Team. Denn die MIG Fonds stehen seit jeher für die Demokratisierung von Venture Capital, für Zugang zu Technologieinvestitionen, der sonst institutionellen Investoren vorbehalten ist. Mit jeder Fondsgeneration wächst deshalb auch der Anspruch, Anlegerinnen und Anleger nicht nur am Kapital, sondern auch an der Entwicklung des Portfolios transparent teilhaben zu lassen. Keine Revolution, sondern Weiterentwicklung.

Auch mit diesem Fonds werden wir Chancen verpassen. Irgendein Unternehmen, das wir abgelehnt haben, wird in einigen Jahren in den Nachrichten auftauchen. Das ist unvermeidlich und kein Argument gegen einen disziplinierten Prozess.

Denn wir sind überzeugt, dass auch der MIG Fonds 18 europäische Champions unterstützen kann und aus Visionen Werte schaffen wird.