Dampfmaschine, Fließband, Industrieroboter und jetzt? Wie die MIG Fonds die nächste industrielle Revolution begleiten
Doppelinterview mit Frederick Michna und Dr. Nicolas Rose-André, beide Principal bei MIG Capital
Die Dampfmaschine hat Muskelkraft ersetzt, das Fließband die Produktion vereinfacht, der Industrieroboter sie beschleunigt. Eines konnten Maschinen dabei nie: ihre Umgebung verstehen und selbst entscheiden. Genau das ändert Physical AI gerade. Die MIG Fonds sind hier seit Jahren investiert. Nicht, weil sie einem Trend gefolgt sind, sondern weil sie nach Lösungen für konkrete Probleme der Industrie gesucht haben.
Herr Michna, Roboter gehören in der Industrie längst zum Alltag. Was ändert Physical AI daran, und wie kann man sich das vorstellen?
Frederick Michna: Das ist richtig. Schon seit vielen Jahren arbeiten Roboter in Fabriken. Dahinter stehen vier industrielle Revolutionen: Erst ersetzte die Dampfmaschine die Muskelkraft, dann ließ Henry Ford mit dem Fließband das Auto zum Arbeiter kommen. Später kamen der Industrieroboter und schließlich die Industrie 4.0 hinzu. Jede dieser Innovationen hat die Welt ihrer Zeit verändert. Eines ist dabei aber immer gleich geblieben: Die Fabrik wird an die Maschine angepasst, nicht umgekehrt. Roboter wiederholen eine fest programmierte Bewegung. Liegt ein Teil zwei Zentimeter daneben, greifen sie ins Leere. Sie sind im Grunde blind und haben kein Urteilsvermögen. Genau da setzt Physical AI an:
Robotern wird beigebracht, die Fabrik zu verstehen.
Herr Rose-André, wie würden Sie „Physical AI“ vor diesem Hintergrund nun definieren?
Dr. Nicolas Rose-André: Wir nennen es gerne „KI mit Augen, Händen und Beinen“. Etwas technischer gesagt: KI, die die physische Welt wahrnimmt, darüber entscheidet und selbst handelt. Und zwar in Echtzeit und in einer Umgebung, die nicht aufgeräumt ist. Das können humanoide Roboter sein, aber auch Drohnen, Fahrzeuge, Produktionsmaschinen, Hebeanlagen oder tragbare Scanner. KI-Innovation kommt in Wellen: Die erste hat mit ChatGPT und Co. sprechen gelernt, die zweite versteht Physik, erkennt Kausalitäten und kann handeln.
Herr Michna, diese zweite Welle steht noch am Anfang. Sind die MIG Fonds hier schon investiert?
Frederick Michna: Darüber haben wir uns natürlich Gedanken gemacht und festgestellt: Physical AI ist für uns kein Investment Trend auf den wir erst aufspringen mussten.
Die MIG Fonds sind bereits mit sechs Unternehmen in diesem Feld investiert.
Dabei ist Physical AI kein einzelnes Thema, sondern lässt sich als Kette beschreiben. Stellen Sie sich dafür einen guten Handwerker vor: Er sieht, er versteht, er entscheidet, er packt zu, und er besteht im Arbeitsalltag. Genau so lässt sich Physical AI in fünf Stufen zerlegen, und auf fast jeder sind Unternehmen aus dem Portfolio der MIG Fonds aktiv.

Was machen die Portfoliounternehmen der MIG Fonds entlang dieser Kette konkret?
Frederick Michna: Nicolas und ich haben drei Beispiele mitgebracht. Ich fange mit Inbolt an. Das französische Unternehmen sitzt auf der Stufe Control und gibt dem Roboter Augen: Eine 3D-Kamera am Roboterarm erkennt, wo ein Teil tatsächlich liegt, und der Roboter passt seine Bewegung in Echtzeit an. Bei einem Kunden Automobilindustrie sind so an einer Schraubstation über 90 Prozent weniger Fehler aufgetreten. Inbolt läuft heute in über hundert Fabriken, unter anderem bei Stellantis, Toyota und Ford, und hat sich für Kunden typischerweise nach rund zwölf Monaten amortisiert. Seit September ist die Lösung zudem direkt in der neuen Robotergeneration von Universal Robots verfügbar. Besonders spannend finde ich hierbei das Geschäftsmodell: Inbolt baut keine Roboter, sondern macht vorhandene Roboter klüger. Wir sind seit rund vier Jahren investiert und haben miterlebt, wie aus einer Laborlösung ein Produkt für den Fabrikalltag geworden ist.
Dr. Nicolas Rose-André: Da schließe ich direkt an: Ebenfalls auf der Stufe Control sitzt unser britisches Portfoliounternehmen Luffy AI. Wie ein Rehkitz, das in wenigen Stunden laufen lernt, lernt Luffys Software im Betrieb, wie sich eine Maschine verhält, und passt die Regelung selbst an. Wenn Inbolt die Augen sind, ist Luffy das Gefühl in den Muskeln. Der Einstieg sind Industriemotoren mit rund 30 Millionen verkauften Einheiten pro Jahr; Luffy arbeitet hier bereits mit vier der fünf großen Hersteller zusammen. Was mich daran begeistert, ist die Vision dahinter: Jede Maschine, von der Klimaanlage bis zur Industrieanlage, soll sich selbstständig an ihre Umgebung anpassen, ganz ohne Techniker, der sie von Hand einstellt. Mehr dazu in unserem Beitrag Wie ein Rehkitz laufen lernt, so lernt Luffy AI, Maschinen zu steuern
Und außerhalb der Fabrikhalle?
Dr. Nicolas Rose-André: Da muss Physical AI genauso bestehen, das ist die Stufe Deploy. Hier kommt Kewazo ins Spiel. Sein LIFTBOT transportiert Material am Gerüst nach oben und ersetzt Kräne und viel Schlepperei. Angefangen auf Baustellen, arbeitet er heute in Raffinerien, Chemieanlagen und Kraftwerken, an über zwanzig Industriestandorten in Nordamerika und Europa. Im März 2026 hat Kewazo eine Finanzierungsrunde unter anderem mit Chevron Technology Ventures und Asahi Kasei abgeschlossen und damit insgesamt mehr als 30 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das finde ich bemerkenswert: Hier investieren genau die Industriekonzerne, für die der Roboter arbeitet. Für ein junges Unternehmen ist das ein starkes Signal.
In Ihrer Kette ist die Stufe „Decide“ noch leer. Warum?
Dr. Nicolas Rose-André: Weil sie die schwierigste ist. Wahrnehmen und Zupacken lässt sich für eine bestimmte Aufgabe gut lösen. Entscheiden heißt, in jeder neuen Situation das Richtige zu tun. Hier geht es um sogenannte World Models, also KI, die unsere Welt und ihre physikalischen Gesetze versteht. Um diese Stufe wird gerade am heftigsten gerungen, in einem Markt mit enormem Kapitalzufluss:
Nach Zahlen von PitchBook flossen 2025 rund 27,6 Milliarden US-Dollar in Robotik-Unternehmen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
Herr Michna, was sollen Anlegerinnen und Anleger nun mitnehmen?
Frederick Michna: Was mich persönlich begeistert: Physical AI ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern arbeitet schon heute in Fabriken und Industrieanlagen auch dank unserer Portfoliounternehmen. Ich glaube, in ein paar Jahren werden wir uns wundern, dass Maschinen einmal blind waren. Für Europas Industrie ist das eine große Chance.
Mit dem MIG Fonds 18 wollen wir jetzt das fehlende Glied unserer Kette ergänzen: Unternehmen, die Maschinen das Entscheiden beibringen. Gerade bewegt sich hier sehr viel, und ich bin zuversichtlich, dass wir fündig werden.
Jetzt mehr erfahren: www.mig-18.de



